Wie man mit Kindern lebt...
Wenn Sie einem Kind etwas geben, gehört es ihm. Es gehört nicht mehr Ihnen. Kleidung, Spielzeuge, Taschengeld – was dem Kind gegeben worden ist, muß ausschließlich unter seiner eigenen Kontrolle bleiben. Also zerreißt es sein Hemd, macht sein Bett kaputt, zerbricht sein Feuerwehrauto. Es geht Sie nichts an. Wie würde es Ihnen gefallen, wenn Ihnen jemand zu Weihnachten ein Geschenk gäbe und Ihnen danach Tag für Tag erzählen würde, was Sie damit machen müssen, und Sie sogar bestrafen würde, wenn Sie es nicht auf die Weise behandelten und so dafür sorgten, wie es der Geber wünscht? Sie würden diesen Geber fertigmachen und das Geschenk vernichten. Sie wissen, daß Sie das tun würden. Das Kind tötet Ihnen den letzten Nerv, wenn Sie ihm das antun. Das ist Rache. Es schreit, es quält Sie, es zerbricht Ihre Sachen. Es schüttet „aus Versehen“ seine Milch um. Und es ruiniert mit Absicht den Besitz, mit dem es so oft vorsichtig sein sollte. Warum? Weil es um seine Selbstbestimmung kämpft, um sein eigenes Recht zu besitzen, und weil es sein eigenes Gewicht in seiner Umgebung zur Geltung bringen möchte. Dieser „Besitz“ ist ein weiterer Weg, durch den es beherrscht werden kann. Es muß also den Besitz und den Beherrscher bekämpfen.
Zweifellos wurden einige Leute so dürftig aufgezogen, daß sie meinen, Kontrolle ist das Nonplusultra der Kindererziehung. Wenn Sie Ihr Kind kontrollieren wollen, brechen Sie einfach seinen Willen, so daß es in völliger Apathie ist, und es wird so folgsam wie irgendein hypnotisierter Dummkopf sein. Wenn Sie wissen wollen, wie man es kontrolliert, beschaffen Sie sich ein Buch über das Dressieren von Hunden, nennen Sie das Kind Rex und bringen Sie ihm „Faß!“ und dann „Sitz!“ bei und dann, nach seinem Futter zu bellen. Sie können ein Kind auf diese Weise ausbilden. Das können Sie ganz gewiß. Aber es ist Ihr Unglück, wenn es zu jemandem wird, der Blutvergießen verursacht.
Sie werden natürlich Schwierigkeiten haben. Das Kind ist ein menschliches Wesen. Es wird hart sein, denn der Mensch erlangte nur deshalb Herrschaft über die Tiere, weil er als eine Gattung nicht geschlagen werden konnte. Er geht nicht so leicht in eine folgsame Apathie wie Hunde. Menschen besitzen Hunde, weil Menschen selbstbestimmt sind und Hunde nicht.
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